Fathima e. V.

“Wir verändern die Welt nicht als Ganzes, aber jede Frau, der geholfen wird, macht einen Unterschied." (Winfried Barczaitis von Fathima e. V.)


© Fathima e. V.

Die Entstehung vor tragischem Hintergrund und systematischen Missständen


Auch wenn der Name Fathima e. V. als Abkürzung für “Förderverein Agro-Technischer und Handwerklicher Initiativen für Mädchen in Afrika e. V.” fungiert, ist die Geschichte eines gleichnamigen Namens der Angelpunkt für die Namensentstehung. Ein junges Mädchen – Fathima – lebte einst in der Hauptstadt Ouagadougou des Landes Burkina Faso. Dort war sie als Dienstmädchen bei einer Familie angestellt und wurde letztlich versklavt, weshalb sie sich im Jahre 2009 in einem Toilettenraum erhängte. Fathima wurde somit zum Symbol für die insbesondere für Mädchen und junge Frauen bestehenden Missstände im Land und ihr Tod zum Impuls, diese nachhaltig zu verändern. Noch im selben Jahr setzten sich einige Dörfer in Burkina Faso kollaborativ zum Ziel, ein Ausbildungszentrum für Mädchen zu errichten, und gründeten im Dorf Kassan den Verein Konlêkoûn. Der Vereinsgründer von Fathima e. V. stand nicht zuletzt wegen seiner Arbeit als Entwicklungshelfer und seines langjährigen Wohnsitzes in Burkina Faso im engen Kontakt zu den einheimischen Menschen. 2009 gründete er so den Verein Fathima e. V., um die Ziele zur Förderung junger Frauen in Burkina Faso in Kooperation mit den dortigen Vereinen auch in Deutschland zu unterstützen. Mit Sitz in Bad Honnef (in der Nähe von Bonn) setzt sich Fathima e. V. aus einer wachsenden Zahl ehrenamtlicher Mitglieder aus ganz Deutschland zusammen, die die Ausbildung von Frauen in Burkina Faso voranbringen. Die Zusammenarbeit mit Konlêkoûn wird zwar nicht weiter fortgeführt, doch zwei andere Partner wurden gefunden und die Ausbildung von Burkinabe, den Einwohner:innen Burkina Fasos, schreitet stetig voran.


© Jörg Lange

Die Ausbildung von Frauen und Zusammenarbeit mit ADE und BENKADI


Wie viele andere afrikanische Länder sind auch Burkina Faso und insbesondere die eher im ländlichen Raum lebenden, einheimischen Familien stark auf die Ernten angewiesen. Fallen diese aus, muss die gesamte Familie dazu beitragen, die Familie zu ernähren. “Für junge Frauen heißt das, sich andere Einkünfte zu suchen: Das kann die Hauptstadt oder das Nachbarland sein oder, was leider oft tödlich endet, die Reise nach Europa”, so der Vorstandsvorsitzende von Fathima e. V. Winfried Barczaitis. Da in Burkina Faso Frauen jedoch meist untergeordnet und nicht ernst genommen werden, es ihnen oftmals an einer schulischen oder praktischen Ausbildung fehlt und alte Rituale wie die Genitalverstümmlung trotz veränderter Gesetzgebung an der Tagesordnung sind (Amnesty.ch), wird ihnen eine eigenständige und zufriedenstellende Wahl der Arbeit oftmals verwehrt. “Letztlich ist es unser Ziel, einer wachsenden Zahl von jungen Frauen die Möglichkeit zu geben, sich und ihre Familie zunehmend auch den eigenen Vorstellungen entsprechend zu unterstützen und ernähren zu können”, erklärt Barczaitis. Die Vorhaben des Vereins richten sich vor allem an junge Frauen, da die Mütter vor Ort bleiben müssen, um die Familie zu managen. Konkret hilft Fathima e. V. vordergründig bei der Mittelbeschaffung zur Ausbildung dieser Frauen. Derzeit kooperiert Fathima e. V. mit den beiden Vereinen ADE und BENKADI, die junge Frauen für handwerkliche und landwirtschaftliche Berufe bzw. Tätigkeiten qualifizieren. So können die teilnehmenden Frauen nach ihrer Ausbildung mit ihren erlernten Fähigkeiten, z. B. als Näherin, (KFZ-)Mechanikerin, Elektrikerin uvm., besser einen Job finden oder sich mit einer kleinen finanziellen und materiellen Starthilfe selbstständig machen. Dass sich die Frauen insbesondere für Berufe einer, ähnlich wie in Europa, überwiegenden Männerdomäne interessieren, begeistert Barczaitis. Doch nicht nur das Erlernen handwerklicher Fähigkeiten, sondern auch die Vermittlung von Aspekten der Hygiene und der Haltbarmachung von Obst und Gemüse sowie die Sensibilisierung von Ressourcenmanagement, die Alphabetisierung und die persönliche Betreuung während und nach der Ausbildung zeichnen die Arbeit der Vereine aus. Konzeptuell unterscheiden sich die beiden Vereine vor allem in ihrer Schwerpunktlegung der jeweiligen Ausbildungsberufe sowie in den Rahmenbedingungen. So geht die Ausbildung bei BENKADI mit der Unterbringung in einem Internat einher, während bei ADE die Frauen weiter zu Hause leben.


© BENKADI

Hindernisse und Zukunftsaussichten


Ursprünglich war das im Rahmen der Ausbildung bei BENKADI betriebene Internat außerhalb der Stadt, da die dort teilnehmenden Dörfer etwa 45 Hektar Land zur Verfügung gestellt haben. Allerdings rückten die islamistischen Terroristen immer näher, sodass Polizei und Militär den Schutz der Frauen und Mitarbeitenden im Internat nicht mehr gewährleisten konnten und sich diese in die Stadt Tougan zurückziehen mussten. Das in der Stadt, im Bezirk Gosson, genutzte Internat “wird die ganze Zeit überwacht, was wir von hier aus auch finanzieren”, schildert Barczaitis. Islamisitischer Terrorismus stellt demnach eine kontinuierliche Bedrohung sowohl für die Arbeit der Vereine als auch für die Existenz der Burkhinabe dar. Sie agieren nicht nur als gewaltbereite Aggressoren, sondern auch als Wettbewerber, wie Barczaitis ausführt: “Im Moment hat Burkina Faso eine ca. 30 prozentige Arbeitslosigkeit und das Geschäftsmodell der Terroristen ist an dieser Stelle, dass sie sagen: ‘Kommt zu uns! Wir geben deinem Leben Sinn und zahlen dir Geld.’ Und das ist im Zweifel mehr Geld, als jeder Arbeitgeber es dort tun könnte. Wenn nun, was ja unser Ziel ist, junge Frauen in der Lage sind, ihr Leben anders zu gestalten und auch zu finanzieren, dann ist die Gefahr, dass sie sich den Terroristen anschließen, wesentlich geringer.” Denn die Ausbildung von Frauen sei genau das, was die Terroristen nicht wollen. Damit wirken die in Burkina Faso tätigen Vereine sowie Fathima e. V. den strukturellen Problemen entgegen. Doch auf politischer und militärischer Ebene würde, selbst seit dem Putsch im März diesen Jahres, nicht viel zur Bekämpfung des Terrorismus passieren. Dennoch setzt der Verein Fathima auf die Unterstützung der burkinischen Polizei und des Militärs und auch politisch erhält der Verein Zuspruch: “Wir wurden in Tougan [...] gebeten, einen weiteren Ausbildungszweig mit einzugliedern. Unter anderem, weil wir eine für dieses Land sehr hohe Abschlussquote von jenseits der 85 % haben und weil der Verein BENKADI wesentlich später schließt als die staatlichen Schulen”, erklärt Barczaitis. Wenn die Projekte in einigen Jahren planmäßig in die Selbstfinanzierung übergehen, würde Fathima e. V. andere Projekte in Burkina Faso unterstützen, wobei “natürlich genau geschaut werden [muss], was mit den Geldern passiert”, betont Barczaitis.


© BENKADI

Fördermittel und Unterstützungsmöglichkeiten


Fathima e. V. sammelt vor allem Geld- und Sachspenden, um die Arbeit vor Ort voranzutreiben und den Frauen ein selbstständiges und geregeltes Einkommen zu gewährleisten. Dafür “machen wir hier eine sehr präzise Buchhaltung, denn wir haben Spender der unterschiedlichsten Formationen”, stellt Barczaitis klar. Durch den engen und langjährigen Kontakt zu den Partner:innen in Burkina Faso bestünde zudem kein Misstrauen, wie die Mittel letztlich genutzt werden. Um die Arbeit in Burkina Faso zu unterstützen, können sich Interessierte einerseits aktiv oder passiv mit einer Mitgliedschaft in die Arbeit von Fathima einbringen. Andererseits sind sowohl finanzielle als auch Sachspenden sehr gerne gesehen, wobei für Letzteres insbesondere Nähmaschinen und Fahrräder benötigt werden. Fahrräder stellen nämlich das Haupttransportmittel im Land dar, während Nähmaschinen nach ihrer Nutzung im Rahmen der Ausbildung von den Frauen mitgenommen und demnach kontinuierlich neue Maschinen für weitere Ausbildungen benötigt werden. “Wir schicken inzwischen so ungefähr 100 Fahrräder und etwa 30–40 Nähmaschinen plus noch ein paar andere Dinge pro Jahr runter”, führt Barczaitis aus. Für die Sachspenden wird jedoch gebeten, diese eher im Großraum Köln/Bonn anzubieten, um die Abholung im realistischen Rahmen zu halten. Zu betonen ist an dieser Stelle noch, dass auch mit dem Transport der Sachspenden selbst versucht wird, einerseits die Kosten so gering wie möglich zu halten und andererseits, wenn möglich, Gewinn zu erzielen. So werden für den Transport via LKW und Schiff die LKWs hier in Deutschland günstiger gekauft, um sie nach abgeschlossenem Transport in Afrika wieder teurer zu verkaufen und den erzielten Betrag direkt in die Projekte einfließen zu lassen. Darüber hinaus veranstaltet der Verein gelegentlich lokale Aktionen wie einen Flohmarkt, um so einerseits weitere Gelder zu erzielen und andererseits die lokale Bevölkerung für die problematischen Umstände und die Arbeit des Vereins zu sensibilisieren.


© Winfried Barczaitis
© ADE

Weitere Informationen gibt es auf der Vereinshomepage von Fathima e. V.